Das Kunst nur ein Teil des Begriffes Kultur ist, dürfte sich an dieser Stelle schon herumgesprochen haben. Im Vorjahr traten drei Veranstalter in Klagenfurt gemeinsam an, um hochkarätige Beiträge von interessanten Referenten als unterschiedliche Spots auf Themen von gesellschaftlichem Interesse zu werfen: Die Vorlesungsreihe setzt wider das Schwarz-Weiß-Denken an, weil das Leben eben nicht in Schwarz-Weiß abläuft. Sprich: Es gilt, über den Gartenzaun einer wissenschaftlichen Disziplin zu schauen, interdisziplinär an Themen und Probleme heranzutreten, die unseren Alltag, unser Leben und damit unsere Lebenskultur bestimmen und prägen. Wer die Notwendigkeit dafür nicht ganz sehen sollte, möge sich erinnern, wie das Gefühl ist, nur als „Knie“ oder „Galle“ in einem Krankenhaus gesehen zu werden … Unzureichend und unzufrieden eben.
Was bisher geschah …
Für ganzheitlichere Sichten an der Schnittstelle Wissenschaft-Wirtschaft-Gesellschaft sorgte also im Vorjahr die gemeinsame Initiative der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Universitäts.Club und Lakeside Science & Technology Park. Und weckte mit ReferentInnen wie Björn Engholm, Franz Fischler, Marianne Gronemeyer und Birger Priddat großes Interesse (die KTZ berichtete). Unvergessen bleibt die flammende Forderung von Björn Engholm, musische Fächer und körperliche Ertüchtigung an den Schulen nicht immer weiter einzuschränken: In unserer technologisierten und ökonomisierten Welt ist seiner Meinung nach die Erhaltung und Förderung der musischen Fächer an der Schule unabdingbar – allein schon als Training für Kreativität und somit Innovationspotenzial, also Ressourcen, auf die sowohl Technologie als auch Ökonomie nicht verzichten können. Ganz abgesehen von der Frage der Ästhetik und Ethik …
Neues Semester, neue Felder
Die Bilderleiste auf dieser Seite signalisiert die Themen des Wintersemesters 2008/09: Es geht – einmal vereinfacht gesprochen – um Technologie, um Nationendenken, um Universalität in Beschäftigung und Denken, wie sie etwas Leonardo da Vinci gelebt hat. Und auch darum, was Kultur und Kunst mit uns im Leben machen und warum sie unterstützt werden sollten. Das Ganze unter der Definition „inter- und transdisziplinärer Diskurs zwischen Theorie und Praxis“ – oder übersetzt: Kein Thema hat nur zwei Seiten.
Der Einstieg – Technologie
Den Anfang macht am 28. Oktober der Universitätspräsident der TU Cottbus, Walther Christoph Zimmerli. Er nimmt Technologie als Kultur unter die Lupe – Technologie, die ebenso wie das Wirtschaftssystem unser Leben dominiert, sich im Alltag manifestiert.
Info: www.wsk.or.at
Die Referenten
Walther Christoph Zimmerli
Macht am 28. Oktober den Anfang: „Unterwegs zur zweiten Dialektik der Aufklärung“
Hans Ottomeyer
Beleuchtet am 25. November die Erfindung der Nation – und die Dekonstruktion dieses Mythos.
Stefan Klein
Kommt am 2. Dezember nach Klagenfurt: In der „Zeit“ erschien gerade sein „Interview“ mit Leonardo da Vinci
Wilhelmine Goldmann
Was bedeutet Kunst und Kultur für die Horizonterweiterung des Einzelnen? (22. Jänner)
Resümee der Veranstalter
Jutta Menschik-Bendele, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt:
Die Bilanz des ersten Teiles unserer Reihe „Wissen schafft Kultur“ ist höchst erfreulich: erstklassige Vorlesungen, guter Besuch, viel neues Wissen und konkrete Anregungen, ganz unserer Intention entsprechend … Der Satz von Birger Priddat: „Nichts auf der Welt ist monodisziplinär“ bestärkt unseren Ansatz.
Horst Peter Groß, Uni.Club:
Die Reihe setzt an, wo wir uns auch als Bindeglied sehen – zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Weil es um Alltagskultur geht, wünsche ich mir mehr Besucher. Beeindruckt hat mich die Forderung Björn Engholms, das Musische als innovatives Element im Ganzheitlichen nicht wegzudividieren.
Maria Mack, Lakeside Park:
Wir sehen uns als Technologiepark an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, beim praktischen Ansatz. Deshalb wünsche ich mir, dass mehr Unternehmen zu den Referaten und anschließenden Diskussionen kommen. Es geht darum, die vielen Seiten von Themen zu erkennen – gegen ein Schwarz-Weiß-Denken.
Von Maja Schlatte