Wien (ewi), Universitäten und Wirtschaft: Kooperation oder ein belangloses Nebeneinander? „Hochschulen haben eine wissenschaftsorientierte Eigenlogik entwickelt, dort ist es gestattet, in anderen Zeitverhältnissen zu denken, was von Unternehmen ja sehr oft auch kritisiert wird.“ Mit diesem Statement rollt Peter Heintel, Institut für Philosophie und Gruppendynamik an der Uni Klagenfurt, das Verhältnis der beiden Bereiche auf. In der Wirtschaft gebe es durch die gemeinsame Zielorientierung, nämlich die Ausrichtung auf ein Produkt, immer schon den Zwang zur Kooperation. Dieser fehle innerhalb einer Uni, „was seine guten Seite hat und seinen Preis.“
„Wissen schafft Unternehmen“, so lautet der Titel eines Sammelbandes, in dem Heintel gerade KMU empfiehlt, sich fachverwandte Wissenschaftler auszuleihen: Aber vor jeder Kooperation stehe das Gespräch. Ohne Abklärung, ohne eine erste mündliche Auftragsdefinition, ist die spätere Kooperation fast schon zum Scheitern verurteilt.
Plädoyer für eine „Betriebsflotte“
Aber haben sich die Unis nicht in ihren Elfenbeinturm zurückgezogen? Das Bild stimmt heute nur noch teilweise, sagt Heintel. Der ökonomische Druck erzeuge neue Herausforderungen, die von Wirtschaft und Wissenschaft bewältigt werden müssen. Der Uni-Professor verweist auch darauf, dass sich viele Kleinunternehmer aus Ehrfurcht nicht an eine Uni heranwagen. Aber: „Als Teil einer Flotte schaut das ganz anders aus.“
Diese „Flotte“ hat sich in Klagenfurt gebildet: Hier die Universität und unmittelbar daneben der Lakeside Science & Technology Park, in dem sich Unternehmen der Informationstechnologie (derzeit rund 500 Beschäftigte) angesiedelt haben. Rektor Heinrich C. Mayr sieht einen Vorteil für die Uni: Der Lakeside Park biete angewandte Forschungskooperationen auf hohem Niveau und zudem Arbeitsplätze an. Ein derartiger Technologiepark könne freilich nur an bestimmten Standorten entstehen, sagt Erhard Juritsch, einer der Initiatoren des Lakeside Park. „Wir bündeln an einem Ort die ganze Kraft und bieten dann etwas Außergewöhnliches an, in Kombination mit der Universität und anderen einschlägigen Spitzenunternehmen.“
(Beiträge von Heintel, Mayr und Juritsch in: „Wissen schafft Unternehmen, Erfolgreiche Kooperationsmodelle zwischen Universitäten und Unternehmen in Europa.“ Verlag Haupt, Bern-Stuttgart-Wien.)