27.7.2008, Kronen Zeitung
Vom Firmengeheimnis bis zum Strafmandat: Im Datenbunker von addIT wird geschützt, was Betriebsspione brennend interessiert, und gespeichert, was nicht verloren gehen darf.
Wie die sprichwörtlich fleißigen Bienen surren die dicht an einander gereiht stehenden Rechner im finsteren Datenbunker – dem größten Kärntens. Rote und grüne Blinklichter sind ein Indiz dafür, dass der Datenfluss läuft.
Unvorstellbare 15 Terabyte – das sind ungefähr so viele Informationen wie etwa die Festplatten von 1.500 Laptops speichern können – werden im Erdgeschoß der Firma addIT im Lakeside Park täglich gesichert.
Es geht um teils vertrauliche, teils streng geheime Daten, die ja nicht in falsche Hände geraten dürfen. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Informationen von Patienten der Kabeg: Wer welche Medikamente bekommt oder was zu Mittag serviert wird – alles läuft über den Computer. Schützenswert sind auch die Betriebsgeheimnisse vieler Firmen, die zu den Kunden von addIT zählen, wie Pago oder die Treibacher Industrie AG. „Wenn mit diesen Informationen etwas passiert, bei einem Hackerangriff oder wenn der Server zusammenbricht, gäbe es ein Chaos“, erklärt Dieter Jandl, Geschäftsführer von addIT.
Die Sicherheit der Daten habe daher oberste Priorität. Das Erdgeschoß der Firma gleicht einem Hochsicherheitstrakt: Kameras überwachen das Gelände, Zutritt zu den von einem Betonkernmantel geschützten Rechnern haben nur die Besitzer einer speziellen Magnetkarte. Die modernste Software schützt die Daten vor Cyberkriminellen, rund um die Uhr ist ein Mitarbeiter verfügbar, um Hackerangriffe abzuwehren. Sogar Erdbeben und Bombenangriffen hält der riesige Bunker stand, es gibt ein eigenes Feuerlöschsystem sowie ein Notstromaggregat. „Sollte dennoch etwas passieren, haben wir Sicherheitskopien“, versichert Jandl. Diese lagern im zweiten Rechenzentrum des Unternehmens im Technologiepark Villach und können mit der unglaublichen Geschwindigkeit von zehn Gigabit ausgetauscht werden – mit einer Bandbreite, die zehn Milliarden Mal größer ist als die eines herkömmlichen Modems.
Der Klagenfurter Firmenchef trägt die Verantwortung über Millionen von Informationen, über die viele gerne selbst verfügen würden. Wie etwa die 500 bis 3.000 Anonymverfügungen, die pro Woche automatisch eingelesen werden. Denn sogar der Weg vom gewöhnlichen Strafmandat – vom Foto im Radarkasten bis in den Postkasten des Rasers – sowie der gesamte Datenfluss in den 132 Kärntner Gemeinden wird von addIT abgewickelt. Die 85 Angestellten begleiten ihre Kunden aber auch über die Landesgrenzen hinaus. „Für Infineon überwachen wir das gesamte Netzwerk – und das weltweit. Wenn irgendwo eine E-Mail-Verbindung gekappt wird, sehen wir das und können es sofort reparieren“, so Jandl. 43.000 Infineon-Mitarbeiter an mehr als 60 Standorten in der ganzen Welt können dadurch rund um die Uhr mit einander kommunizieren. Der Datenfluss laüft.